Geologischer Weltenbau Teil 1: Die Grundlagen

Eigentlich wollte ich einen Bericht darüber schreiben, wie sich der Weltenbau aus Sicht einer Geologin gestaltet. Dann habe ich angefangen und schnell merkte ich, wie komplex das Ganze ist und wie viel wertvolles Wissen ich unterschlage, nur um den Text nicht so aufzublähen. Zum Weltenbau kam ich stattdessen kaum. Also habe ich beschlossen daraus eine Reihe zu machen und dabei gemeinsam mit euch eine Welt zu erschaffen. Hier sind die vorläufigen Themen:

  • Teil 1 – Die Grundlagen
  • Teil 2 – Gebirge (noch in Planung)
  • Teil 3 – Flüsse und Seen (noch in Planung)
  • Teil 4 – Klima (noch in Planung)
  • Teil 5 – Vulkane, Erdbeben und andere Katastrophen (noch in Planung)
  • Teil 6 – Gesteine (noch in Planung)

Damit das Ganze nicht zu einer langweiligen Vorlesung ausartet, wird uns Mobs begleiten, mein kleiner Wissenschaftskommunikator.  Nun aber erstmal ein paar Grundlagen und dann seid ihr dran!

Mobs, als Wissenschaftskommunikator, (c) Janna Ruth

Geologische Geschwindigkeiten

Geologen und Zeit – das ist so eine Sache, an der schon Beziehungen gescheitert sind. Denn, wenn ein Geologe davon spricht, dass ein Erdbeben unmittelbar bevorsteht, dann kann das durchaus noch seine 10, 50 oder 100 Jahre dauern. Oder eben morgen früh. Der Oberrheingraben ist zum Beispiel eine der jüngsten geologischen Strukturen in Europa. Er nahm vor ca. 50 Millionen Jahren seinen Anfang.

Gebirge werden nicht innerhalb einer Lebenszeit aufgeworfen, nicht einmal während der Geschichte der gesamten Menschheit. Genauso dauert es aber auch seine Zeit, bis ein Berg abgetragen ist. Der Harz zum Beispiel entstand vor 300 Millionen Jahren, als er sich, höher als die Alpen es jetzt sind, auffaltete und noch immer hat die Zeit über 1000 m Brocken vor sich. Wenn ihr also wirklich mal schnell ein Gebirge aus dem Boden stampfen wollt oder einen alten Charakter lamentieren lassen, dass die Berge früher viel höher waren, dann sollte Magie oder alternative Physik eine nicht unerhebliche Rolle in eurem Weltenbau spielen.

Mobs beim Gebirge aufschieben, (c) Janna Ruth

Gebirge aufschieben ist wohl doch eher ein Ausdauerlauf statt Sprint.

Es gibt aber auch geologische Prozesse, die schnell gehen. Bei Erdbeben werden ganze Landstriche innerhalb eines Rucks versetzt, aufgeworfen oder abgesenkt, allerdings nur wenige Zentimeter bis Meter auf einmal. Vulkane können bei einem Ausbruch gleich ganze Inseln aus dem Meer heben oder in sich selbst zusammenbrechen – so entstehen nämlich die berühmten Kraterseen. Besonders schnell sind übrigens Küstenprozesse. Hier wird auch in der Lebenszeit eines Menschen neuer Strand geschaffen und Steilküsten unterhöhlt. Mit dem beschleunigten Meeresspiegelanstiegs unserer Zeit sowieso.

Plattentektonik

Kommen wir zu meinem Lieblingsthema an, der Plattentektonik. Wie ihr sicher wisst, ist die Erdkruste in viele große und kleine Platten zerbrochen, die auf der sogenannten Asthenosphäre, der obersten Schicht des Erdmantels, schwimmen. Das führt dazu, dass sich Platten entweder gegeneinander oder voneinander weg bewegen – in manchen Fällen auch aneinander vorbei. Welche Richtung sie einschlagen, hängt übrigens von den (Konvektions-)Strömungen des Mantels ab, aber so tief müssen wir für unseren Weltenbau nun doch nicht gehen.

plate movement, Bucknell University

Bewegung der Platten (c) Bucknell University (www.bucknell.edu)

Der Grund, warum ich bei der Plattentektonik anfange, ist, dass sich das im wahrsten Sinne des Wortes herausragendste Geländemerkmal, nämlich das Gebirge, nur dort bildet, wo zwei Platten aufeinander treffen. Ozeane hingegen entstehen, wenn eine Platte auseinander reißt. Einer der jüngsten dieser Risse ist übrigens das Ostafrikanische Rift, auch bekannt als das Rote Meer und auch der Rheingraben steht noch ganz am Anfang.

Mobs Plattenbewegung (c) Janna Ruth

Platten können aneinander stoßen oder auseinanderreißen und voneinander wegdriften.

Die zweite wichtige Sache ist, dass Plattengrenzen DIE Zentren vulkanischer Aktivität und Erdbeben sind. Von Hotspots wie Hawaii abgesehen, werdet ihr Vulkane lediglich in der Nähe von Plattengrenzen finden. Besonders bekannt ist dafür der pazifische Ring des Feuers, auf dem sich fast 70% aller Vulkane der Welt finden und 90% aller Erdbeben stattfinden. Dieser Ring zieht sich von Japan über Indonesien und Neuseeland bis nach Chile. Auf die gleiche Art und Weise sammeln sich Erdbeben an den Plattengrenzen. Logisch, wenn zwei Autos aufeinander prallen, gibt es ja auch Schockwellen.

Ungefähr alle 500 Millionen Jahren geschieht es übrigens, dass durch diese Mechaniken ein Superkontinent entsteht. Jeder kennt sicher Pangea, als die Dinosaurier über die Erde stapften. Vor Pangea gab es aber bereits Rhodinia und auch in Zukunft wird es wieder einen Superkontinent geben. Dazu gibt’s sogar bereits Prognosen, denn die Bewegungen sind bereits jetzt absehbar. Sehr langsam wird sich nämlich der Pazifik schließen und somit Asien und Amerika einander näher bringen. Von Los Angeles nach Beijing mit dem Zug – Plattentektonik macht’s möglich. Was diese großen Bewegungen, aber vor allem Konstellationen von Kontinenten für Auswirkungen für unseren Weltenbau hat, erfahrt ihr im Klima-Teil.

Novopangäa, Reiner Olzem

Novopangäa, die mögliche Zukunft der Kontinente. (c) Reiner Olzem (www.reiner-olzem.de)

Puzzlen beim Weltenbau

Wenn man sich mal so die Weltkarte anschaut, dann fällt ziemlich schnell auf, dass sich Afrika und Süd- und Mittelamerika wunderbar ergänzen. Klar, die Küsten wurden unterschiedlich abgetragen und es hat sich alles etwas verzogen, deshalb ist es nicht ganz passgenau, aber man erkennt sofort, dass die beiden einmal zusammen gehört haben. Auch die anderen Kontinente lassen sich zu Pangea zusammen puzzeln, sind aber teilweise schon etwas länger unterwegs und dementsprechend nicht mehr ganz so deutlich.

Am Anfang meines Geologiestudiums habe ich damals angefangen, mir meine eigene Welt von Grund auf aufzubauen. Mit euch zusammen möchte ich nun dieses Projekt weiterführen und daher gibt es heute die Platten meiner Welt. Auf der Karte seht ihr, dass einige sichtbare Kontinente oder Inseln sich wieder zusammenschieben lassen. So hat Thalin noch immer den kleinen Zipfel, der einst in die Ostküste von Fehnis gepasst hat. Auf Sibenia sieht man die Trennung in einem Anfangsstadium und auch die Inseln von Werden und Taro lassen sich mit etwas Puzzlearbeit wieder in die Westküsten von Fehnis und Kryos stecken.

Weltenbau: Die Kontinente

Meine eigene Welt im Aufbau. Hier seht ihr schon mal die Kontinente in ihrer Driftphase.

Ihr seht aber auch, dass die Küsten nicht zu 100% aneinander passen. Teile fehlen oder würden sogar ineinander ragen. Das ist in Ordnung, denn diese Prozesse der Gebirgsbildung und des Auseinanderreißens dauern eben viele Millionen Jahre und andere Prozesse wie der Anstieg des Meeresspiegels oder auch die Küstenerosion wirken einfach so viel schneller. Daher habe ich die Landteile verzerrt und die Küsten etwas natürlicher gestaltet.

Und nun seid ihr dran.

Anleitung für den Bau der Kontinente

  1. Überlegt euch, wie viele Kontinente ihr braucht und in welcher Größe ihr sie haben wollt.
  2. Entscheidet, ob ihr lieber viele kleine Kontinente haben möchtet oder einen großen. Kleiner Hinweis: Beim Auseinanderbrechen von Superkontinenten steigt die Temperatur meistens sehr stark an, da es erheblich mehr Vulkanismus und somit CO2 in der Luft gibt.
  3. Verteilt nun eure Kontinente auf der Weltkarte.
  4. Sucht euch aus, welche Kontinente sich zueinander bewegen und welche sich voneinander weg bewegen! Wie stehen die jeweiligen «Seiten» der Kontinente zueinander?
  5. Bei den Kontinenten, die sich voneinander weg bewegen, sorgt dafür, dass sich ihre Form noch entfernt ähnelt. Je näher sie zusammen sind desto ähnlicher. Das muss nicht jede Küste sein, aber nehmt einfach ein paar markante Formen, die man mit viel Fantasie zusammen stecken könnte.
  6. Auf den Kontinenten, die sich zueinander bewegen, werden wir im nächsten Teil Gebirge bauen.

Kleiner Tipp: Da die Erde rund ist, sollten eure Platten und Kontinente beim Rand übertreten, an der gleichen Stelle auf der anderen Seite wieder auftauchen. Für Scheibenwelten gilt das natürlich nicht 😉

Eure Janna

P.S.: Hier könnt ihr das Koordinatennetz runterladen.

Disclaimer: Fantasywelten haben sich natürlich nicht an irdische Naturgesetze zu halten und Autoren benötigen zum Weltenbau kein Geologiestudium, aber vielleicht macht es ja doch Spaß und ich kann euren Blick ein wenig schärfen. 🙂

Save

Save

Save

Save

Save

Save

7 thoughts on “Geologischer Weltenbau Teil 1: Die Grundlagen

  1. Ein toller Artikel, vielen Dank! Ich bin schon sehr gespannt auf das, was noch kommt.

    Ich gebe zu, ich entwickle meine Welten in der Regel nicht so großflächig. Die Technologie und Schifffahrt ist nie so weit fortgeschritten, als dass meine Figuren mehr als den eigenen Kontinent kennen würden, deswegen begrenze ich mich in der Regel auf einzelne Länder oder Landmassen.

    Aber ich mag solche Spielereien schon sehr gerne, muss ich zugeben. Selbst auf kleinflächigem Spielraum.

  2. Pingback: Nornengestöber – 08.10.2017 – Nornennetz

  3. Das ist echt super interessant. Man denkt, die Erde, wie sie ist, ist eben so, aber das ist ja total wandelbar, auch wenn es ewig lange dauert. Ich bin total begeistert von dieser Plattenektonik.
    Und ich freue mich, dass diese Reihe kommt. Wenn ich meine Welten baue, stehe ich immer vor den Fragen: Kann ich das jetzt ein Gebirge hinmalen? Wie fließen die Flüsse denn jetzt, irgendwie ja wohl kaum. Wo sind Höhen und Tiefen? Können Wälder an Küsten stehen oder nicht? Wie viele Seen sind realistisch und wie sieht das an der Oberfläche aus, wenn ein Land ins Meer gesunken ist?
    Viele Fragen, und ich kann mir nichts davon zusammenreimen. Deswegen werde ich diese Reihe auf jeden Fall verfolgen!
    Liebe Grüße
    Eileen

    • Hallo Eileen,
      danke dir für deinen begeisterten Kommentar. Das motiviert mich gleich mehr dazu, endlich den nächsten Teil der Reihe fertig zu stellen. Lange genug habe ich ihn ja vor mir hergeschoben. Wenn du spezielle Fragen hast, kannst du die auch gerne an mich stellen und ich versuche sie so gut wie möglich zu beantworten. Gebirge wird der nächste Teil abdecken und Flüsse der übernächste. Wälder und Seen muss ich selbst noch mal schauen, ob es irgendetwas besonderes gibt, dass die Verteilung einschränkt vom Regenschatten an Gebirgen einmal abgesehen.
      Wenn ein Land ins Meer sinkt, gibt’s zwei Möglichkeiten: 1. Die natürliche: Der Meeresspiegelanstieg. Dabei wird alles um die Anstiegsmenge überflutet, können bis zu einigen Metern sein über Jahrhunderte. Dadurch, dass Wasser eingespült wird, werden Teile der Über-Wasser Strukturen erodiert, also unterspült und so trägt das Meer wahrscheinlich noch einen Teil mehr ab, auch wenn dieser anfangs über dem Meeresspiegel war. Alles höhere bleibt aber sonst bestehen. 1b. Absenkung: Ist möglich, passiert aber oft nur lokal oder bei vulkanischen Inseln, wenn der Vulkan weiterzieht und die Masse darunter abnimmt. Schleichender Prozess, der aber bis zum völligen Untergang führen kann, während der Meeresspiegel oft auch wieder sinkt. 2. Die übernatürliche: Atlantis zum Beispiel, Ein Ort geht komplett unter und liegt nun auf dem Meeresboden. Vielleicht sieht man noch ein paar höhere Spitzen an der Oberfläche. Unter Wasser werden Meeresströmungen einen Teil abtragen und langsam, ganz langsam auch manche Strukturen auflösen.
      Liebe Grüße
      Janna

  4. Pingback: Die Fantasywoche und andere Winterhighlights |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.